Die Erhaltung einer maltesischen Galeere: Ein Schiffsmodell aus den 1770er Jahren.

03. März 2010



Als Bio-Restaurator im National Maritime Museum bin ich verantwortlich für die Konservierung Schiffsmodelle - ein hochspezialisiertes Gebiet in der Konservierung. Das Museum besitzt mit über 3000 Modellen die größte Schiffsmodellsammlung der Welt. Ich habe vor kurzem eine maltesische Galeere behandelt, die um 1770 gebaut wurde und ein Beispiel für die Kriegsschiffe ist, die von den Orden der Johanniterritter im Mittelmeer während der Kreuzzüge. Diese Schiffe wären mit einer Mischung aus Segel- und Menschenkraft angetrieben worden. Der Hauptkörper dieses Modells besteht aus lackiertem und vergoldetem Holz und ist komplett mit Leinensegeln aufgetakelt. Es gibt eine Reihe von abnehmbaren Abschnitten, 53 Holzruder und zwei Miniaturkanonen aus Kupferlegierung. [[{'type':'media','view_mode':'media_large','fid':'219627','attributes':{'class':'media-image','typeof':'foaf:Image ','style':'','alt':'GalleyImage 1.jpg'}}]] Dieses Modell war für mich ein besonders interessantes Projekt wegen der großen Materialvielfalt und den unterschiedlichen Behandlungsarten, die die Galeere benötigte . Neben der allgemeinen Reinigung und Reparatur kleiner Bauschäden stellte sich das heikle Problem, die empfindlichen Textilsegel noch am Modell zu stabilisieren. Bei allen Behandlungen, die ich durchführte, war es für mich notwendig, Materialien zu finden, die reversibel sind. Dies ist ein wichtiger Aspekt bei der Konservierung, da die Behandlung reversibel sein sollte, damit das Objekt bei Bedarf in den vorkonservierten Zustand zurückversetzt werden kann. Auf der Oberfläche des Modells befand sich eine dicke Schicht fusseligen Schmutzes - wie Ruß. Vermutlich war das Modell irgendwann im Laufe seines Lebens mit einer klebrigen Lackschicht aus Leinsamen und Brennspiritus versehen worden, die dazu beigetragen hat, den Schmutz an der Oberfläche zu haften. Ich entfernte den Schmutz mit einer flüssigen Spiritusseife namens Vulpex, verdünnt in destilliertem Wasser, die mit kleinen Wattestäbchen aufgetragen und mit destilliertem Wasser auf Wattestäbchen entfernt wurde. Als der Schmutz entfernt wurde, zeigte sich auf dem Deck schöne gemalte Details, die vor der Behandlung des Modells nicht sichtbar waren. Unter dem Schmutz wurden ein Diamant- und Blumenschmuck und eine bemalte Oberfläche gefunden, die auf hölzerne Intarsien hindeutet. Mit der gleichen Methode wurden auch die vielen Ruder, die ebenfalls stark verschmutzt waren, gereinigt. [[{'type':'media','view_mode':'media_large','fid':'219628','attributes':{'class':'media-image','typeof':'foaf:Image ','style':'','alt':'GalleyImage 2.jpg'}}]]] [[{'type':'media','view_mode':'media_large','fid':'219629', 'attributes':{'class':'media-image mt-image-none','typeof':'foaf:Image','style':'','height':'180','alt':' GalleyImage 3.jpg'}}]] Der Vorbau am Bug des Schiffes wurde repariert, bevor kleine Nägel verwendet wurden. Die Nägel wurden mit einer Zange entfernt und das Holzstück mit einem Kleber wieder festgeklebt. [[{'type':'media','view_mode':'media_large','fid':'219630','attributes':{'class':'media-image mt-image-none','typeof' :'foaf:Image','style':'','height':'133','alt':'GalleyImage 4.jpg'}}]] [[{'type':'media','view_mode' :'media_large','fid':'219631','attributes':{'class':'media-image','typeof':'foaf:Image','style':'','alt':' GalleyImage 5.jpg'}}]] Die Boomkins am Heck der Galeere waren weggeschnappt. Dies wurde mit Klebstoff wieder befestigt, aber der Verlust am Holz und die winzige Reparaturstelle machten die Reparatur anfällig. Ich entschied, dass auch in diesem Bereich ein „Füller“ aufgetragen werden sollte, da er der Reparatur zusätzlichen strukturellen Halt verleiht und sie optisch ansprechender macht. Ich entschied mich für eine Füllung aus Glasmikroballons gemischt mit einem Klebstoff namens Paraloid, einem Material, das sich leicht mit Lösungsmitteln wie Aceton entfernen lässt. [[{'type':'media','view_mode':'media_large','fid':'219632','attributes':{'class':'media-image','typeof':'foaf:Image ','style':'','alt':'GalleyImage 6.jpg'}}]]] [[{'type':'media','view_mode':'media_large','fid':'219633', 'attributes':{'class':'media-image','typeof':'foaf:Image','style':'','height':'146','alt':'GalleyImage 7.jpg' }}]] Mikroballons sind extrem kleine Quarzglasbläschen, die ein ausgezeichnetes Füllmaterial für Holzverluststellen darstellen und dem Füller eine elastische Eigenschaft verleihen, die die Expansion und Kontraktion von organischem Material ermöglicht. Die Mikroballons wurden in eine Klebstoff- und Lösungsmittellösung gemischt; Herstellen einer Paste, die ein ähnliches Aussehen wie Puderzucker hat. Ich trug die Mischung mit einem Miniatur-Metallspatel auf und arbeitete schnell, da das Lösungsmittel schnell verdampfte, wodurch die Paste weniger flexibel wurde. Nachdem die Füllung getrocknet war, glättete ich die Füllung sorgfältig, damit sie bündig mit dem Rest des Holzes abschloss und verwendete rote Acrylfarben, um sie farblich an das Originalholz anzupassen. [[{'type':'media','view_mode':'media_large','fid':'219634','attributes':{'class':'media-image','typeof':'foaf:Image ','style':'','alt':'GalleryImage 8.jpg'}}]] Der komplizierteste Teil der Behandlung war die Stabilisierung der beschädigten Leinensegel. Das blau/grüne Leinen war sehr zerbrechlich und es gab eine Reihe von Rissen und Rissen, da die Fasern spröde und pudrig waren. Ich entschied mich für eine Klebereparaturtechnik an den Segeln, da sie viel zu zerbrechlich waren, um sie durch Nähen zu reparieren. [[{'type':'media','view_mode':'media_large','fid':'219635','attributes':{'class':'media-image mt-image-none','typeof' :'foaf:Image','style':'','width':'','height':'','alt':'GalleryImage 9.jpg'}}]] [[{'type':' media','view_mode':'media_large','fid':'219636','attributes':{'class':'media-image mt-image-none','typeof':'foaf:Image',' style':'','width':'','height':'191','alt':'GalleyImage 10.jpg'}}]] Tests wurden mit zwei Arten von Klebstoffen durchgeführt - Lascaux und BEVA. Beides sind thermoplastische Klebstoffe, die flüssig aufgetragen, trocknen gelassen und dann mit Hitze aktiviert werden können – das sorgt für sauberere Reparaturen und eine einfachere Positionierung des Trägertextils. Das Ergebnis zeigte, dass BEVA erfolgreicher darin war, das Stütztextil mit dem Segel zu verkleben und die pulverförmigen Fasern zu durchdringen. Die durch Wärme reaktivierbare BEVA ist reversibel und kann bei Bedarf in Zukunft wieder entfernt werden. Zum Auftragen des Klebers wurde ein Trägertextil namens Stabiltex über einen Rahmen gespannt und anschließend das BEVA mit einer Künstlerspritzpistole auf das Trägertextil aufgesprüht, um feine und gleichmäßige Klebstoffschichten zu erhalten. In den meisten Situationen können Textilien flach auf einer ebenen Fläche behandelt werden. In dieser Situation waren die Bindungen, die das Segel am Mast befestigten, jedoch zu spröde und zerbrechlich, um gelöst zu werden. Eine örtliche Befeuchtung hätte verwendet werden können, um jede einzelne einzeln zu lösen, aber dies hätte letztendlich mehr Schaden angerichtet und die Bindungen hätten ausgetauscht werden müssen. Man hatte das Gefühl, dass das Textil noch in Position bearbeitet werden kann. Es wurde eine Stütze hergestellt, bestehend aus einer mit Holzgewebe bedeckten Platte, die es mir ermöglichte, Druck auszuüben und an den Segeln zu arbeiten, während sie noch befestigt waren. [[{'type':'media','view_mode':'media_large','fid':'219637','attributes':{'class':'media-image mt-image-none','typeof' :'foaf:Image','style':'','width':'','height':'180','alt':'GalleyImage 11.jpg'}}]] [[{'type': 'media','view_mode':'media_large','fid':'219638','attributes':{'class':'media-image mt-image-none','typeof':'foaf:Image', 'style':'','width':'','height':'','alt':'GalleyImage 12.jpg'}}]] Das Stabiltex wurde in Streifen auf die Segel aufgetragen und dann mit einem erhitzten Spachtel wurde eingeklebt. Beim Auftragen wurde zwischen Spachtel und Trägertextil Pergamentpapier verwendet, um das Trägertextil und die Segel vor direkter Hitze zu schützen und ein Anhaften des Klebers am Metall zu verhindern. [[{'type':'media','view_mode':'media_large','fid':'219639','attributes':{'class':'media-image mt-image-none','typeof' :'foaf:Image','style':'','width':'','height':'','alt':'GalleyImage 13.jpg'}}]][[{'type':' media','view_mode':'media_large','fid':'219640','attributes':{'class':'media-image mt-image-none','typeof':'foaf:Image',' style':'','width':'','height':'','alt':'GalleyImage 14.jpg'}}]][[{'type':'media','view_mode':' media_large','fid':'219641','attributes':{'class':'media-image mt-image-none','typeof':'foaf:Image','style':'','width ':'160','height':'213','alt':'GalleyImage 15.jpg'}}]] Kleine Stellen mit beschädigtem Rigging wurden durch frisches Rigging ersetzt und mit wasserbasierenden Flecken abgetönt. An einigen Stellen hätte das Entfernen der beschädigten Takelage weitere Schäden verursacht oder einen großflächigen Abtrag erforderlich gemacht. In diesen Fällen wurden japanische Gewebe- und Klebereparaturen verwendet, um die Brüche zu überbrücken. Schließlich wurde das Modell mit einem Museumsstaubsauger und einer weichen Bürste leicht gereinigt und die Ruder positioniert, wodurch die Kombüse bereit für die Ausstellung war. [[{'type':'media','view_mode':'media_large','fid':'219642','attributes':{'class':'media-image mt-image-none','typeof' :'foaf:Image','style':'','width':'','height':'','alt':'GalleyImage 16.jpg'}}]] Diese Galeere wird ausgestellt in den neu renovierten Galerien im Museum des Johanniterordens ab Frühjahr 2010 in Clerkenwell.