Experten diskutieren das Wachstum von Cyber-Bedrohungen inmitten der Pandemie

Am 1. Oktober veranstaltete das Center for East Asia Policy Studies in Brookings im Rahmen seiner Reihe Asia Transnational Threats Forum eine Diskussionsrunde. Im Mittelpunkt des Gesprächs standen die Themen Cybersicherheit und Cyber-Resilienz im Zeitalter von COVID-19. Frühere Veranstaltungen beschäftigten sich mit Cybersicherheit, Terrorismusbekämpfung und Klimasicherheit. Im Einklang mit dem diesjährigen Ziel, die Auswirkungen digitaler Technologien auf die Sicherheit, Wirtschaft und politische Dynamik Asiens zu untersuchen, untersuchte der Runde Tisch, wie technologische Instrumente soziale Verbindungen und ein erfolgreiches Management der Pandemie ermöglicht haben. Die Experten untersuchten auch, wie die zunehmende Abhängigkeit von digitalen Plattformen Möglichkeiten für vermehrte Cyberangriffe eröffnet und Fragen zur Datenerfassung und zum Datenschutz aufgeworfen haben.



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Jung H. Pak, Brookings Senior Fellow und Lehrstuhlinhaber der SK-Korea Foundation für Korea Studies, eröffnete die Diskussion mit der Feststellung, dass während der Pandemie zunehmend auf digitale Technologien zurückgegriffen wird. Sie verwies auf die jüngsten Berichte über Zunahmen von Cyberangriffen auf der ganzen Welt, da mehr Menschen auf digitalen Plattformen die Arena für Cyber-Akteure vergrößerten, die sie ausnutzen konnten. Sie beobachtete auch die wachsende Besorgnis über den Einsatz von Technologie durch die Länder zur Einschränkung der Freiheit und nutzte die Pandemie als Gelegenheit, ihre Kontrolle über ihre Bevölkerung auszuweiten.

David Koh, Beauftragter für Cybersicherheit und Chief Executive der Cyber ​​Security Agency of Singapore, teilte Singapurs Perspektive im Umgang mit COVID-19 im Kontext der Cybersicherheit. Er zählte drei Haupttrends auf, die durch die Pandemie eingeführt wurden: 1) eine Beschleunigung der Digitalisierung und eine erhöhte Gefährdung von Vermögenswerten und Infrastruktur durch Cyberangriffe; 2) eine Zunahme der kollektiven Risikoprofile aufgrund eines erweiterten Telearbeitsumfelds; und 3) eine weltweite Zunahme bösartiger Cyberaktivitäten.





Mit der zunehmenden Verbreitung von Cybervorfällen ist der Schutz von Vermögenswerten und Infrastruktur schwieriger geworden. Da unsere Gesellschaften zur Normalität zurückkehren, müssen Unternehmen ihre langfristige Cybersicherheitsposition in Bezug auf das Risikomanagement neu ausrichten, riet Koh. Um das Bewusstsein für Cybersicherheitsrisiken und Vorsichtsmaßnahmen zu schärfen, hat die Regierung Singapurs Unternehmen und die Öffentlichkeit beraten. Er bemerkte, dass Cyberbedrohungen wie das Coronavirus grenzenlos und asymmetrisch seien, und betonte die Bedeutung eines regelbasierten multilateralen Systems für das Management der Cybersicherheit – der globalen Gemeingüter.

Hiroaki Miyata, Professor für Gesundheitspolitik und -management an der School of Medicine der Keio University, erörterte den Einsatz von Technologie in der öffentlichen Gesundheitspolitik und die Auswirkungen des Datenaustauschs. Da es keine Rechtsgrundlagen für die Verhängung einer Sperrung oder die Verwendung der GPS-Technologie zur Kontaktverfolgung gab, arbeitete Japan mit sozialen Netzwerkdiensten zusammen, um Hochrisikogruppen und Patienten zu identifizieren, zu überprüfen und zu verfolgen. Miyata erklärte, dass die Behörden anhand einer großen Datensammlung feststellen konnten, dass Einzelhandel und Gastronomie anfälliger für COVID-19 seien als diejenigen, die zu Hause bleiben, und so die Folgepraktiken besser informieren die Ausbreitung des Virus kontrollieren.



Zum Thema Big Data übergehend, argumentierte Miyata, dass der Wert von Daten in ihrer gemeinsamen Nutzung liegt. Im Gegensatz zu Öl, bei dem das ausschließliche Nutzungsrecht unerlässlich ist, erklärte er, dass der Wert der Daten mit mehr Datenpunkten im System steige. Er plädierte dafür, das Konzept von Daten als gemeinsames Gut zu akzeptieren und forderte neue Regeln für die Verwaltung und den Austausch von Daten.

Anna Puglisi, Senior Fellow am Center for Security and Emerging Technology der Georgetown University und ehemalige Nationale Spionageabwehrbeauftragte für Ostasien, argumentierte, dass es China gelungen sei, die Fragen der wissenschaftlichen Gemeinschaft über den Ursprung des Virus zu beruhigen und gleichzeitig das Narrativ voranzutreiben, dass China wissenschaftsfreundlich sei . Gleichzeitig, sagte sie, habe China soziale Medien genutzt, um seine Reaktion auf das Virus zu fördern und auch abweichende Meinungen zu unterdrücken. Diese Maßnahmen spiegeln Chinas wachsendes technisches Können und seine Bereitschaft wider, globale Normen in Frage zu stellen. Während Chinas wissenschaftliche und technologische Ambitionen bekannt sind, können seine Pläne, Richtlinien und Ziele abstrakt sein, bemerkte Puglisi. COVID-19 hat jedoch seine Rolle in der globalen Wissenschafts- und Technologiegemeinschaft ans Licht gebracht und wie China bereit ist, es zu nutzen.

In einer Welt nach COVID-19 empfahl Puglisi der außenpolitischen Gemeinschaft, die globale Norm der Zusammenarbeit im öffentlichen Gesundheitswesen, die auf Vertrauen aufbaut, neu zu bewerten. Wird die Erfahrung mit COVID-19 weitere Fragen zur Führungsrolle der USA in der Wissenschaft aufwerfen? Ein weiteres zu berücksichtigendes Thema, schloss Puglisi, sind die Auswirkungen der Daten und Informationen, die nicht frei geteilt. Wird es internationale Institutionen daran hindern, künftige globale Krisen zu bekämpfen?