Ausrottung der Sklaverei

17.08.2015

Vor dem Internationalen Gedenktag der Sklaverei (23. August) untersucht Dr. James Poskett von der University of Cambridge die abolitionistische Politik des 19. Jahrhunderts anhand unserer Sammlung von Wachssiegeln. Abolitionistisches Wachssiegel Wachssiegel waren die E-Mail-Signaturen – vielleicht sogar die Emojis – des 19. Jahrhunderts. In einer Welt vor Mobiltelefonen und Facebook bot ein auf einen Brief gestanztes Wachssiegel eine gute Möglichkeit, Ihren sozialen Status und Ihre politischen Neigungen zu signalisieren. Dieser besondere Satz von Siegeln, gehalten als Teil der Michael Graham-Stewart Slavery Collection in den Royal Museums Greenwich gibt einen kurzen Einblick in die Welt der abolitionistischen Politik des 19. Jahrhunderts. Das erste stammt aus der Zeit um 1790 und ist mit dem Bild eines knienden afrikanischen Sklaven gestaltet, umgeben von den Worten „Bin ich kein Mann und kein Bruder?“. Dieses Bild eines Sklaven, zusammen mit dem dazugehörigen Slogan, wurde ursprünglich in den 1780er Jahren von Josiah Wedgwood, dem Töpfer gegen die Sklaverei, entwickelt. Passenderweise ist die Dichtung ein Stück Keramik. Für Historiker trägt dieses Bild eine ambivalente Botschaft. Einerseits veranschaulicht es, wie weiße Abolitionisten in Großbritannien versuchten, afrikanische Sklaven vor allem als Menschen darzustellen – als Brüder. Andererseits zeigt das Siegel aber auch Sklaven als passive Opfer, die der weißen Rettung bedürfen. Abolitionistisches Glassiegel Die zweite Sammlung stammt etwas später, um die 1820er Jahre. Von dem Kunsthandwerker William Tassie sorgfältig in farbiges Glas graviert, können Sie die Wachsspuren sehen, die vor fast zweihundert Jahren abgelagert wurden. Unter dieser Sammlung befinden sich zwei besonders kostbare Beispiele. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde Josiah Wedgwoods ursprüngliches Motiv angepasst, um die zunehmende Rolle der Frauen in der Abolitionistenbewegung widerzuspiegeln. Wir haben jetzt ein Bild einer knienden Sklavin, begleitet von den Worten „Bin ich keine Frau und keine Schwester?“. In meiner eigenen Forschung habe ich eine Reihe von Beispielen von Abolitionistinnen gesehen, die genau solche Wachssiegel verwenden. Lucretia Mott, eine der berühmtesten Abolitionistinnen des 19. Jahrhunderts, prägte dieses Bild in fast jeden Brief, den sie schrieb, egal welchen Inhalts. In einer Welt, in der politische Meinungsäußerung als undamenhaft galt, erwies sich dies als subtile, aber wirkungsvolle Möglichkeit für Frauen, höfliche Korrespondenz in politisches Handeln umzuwandeln. Wir gedenken dem Internationalen Tag des Gedenkens an die Sklaverei mit einem Tag mit kostenlosen Vorträgen und Führungen im National Maritime Museum. In diesem Jahr konzentrieren wir uns auf die Verbindungen zwischen dem transatlantischen Sklavenhandel und der lokalen Geschichte in Greenwich und Lewisham.